Wusstet ihr, dass es bei 9/11 auch weibliche Firefighter gab?
Ich sehe die Helden, die nach dem Angriff auf das World Trade Center ihr Leben riskierten, seit gestern mit ganz neuen Augen.
Wie das passiert ist? Also: Ich sitze im Wartezimmer beim Tierarzt und wollte mich nicht mit den anderen Tierbesitzern unterhalten. Ich hatte aber mein Buch vergessen und sonst liegen dort nur Zeitschriften wie ‚Cat Lovers‘ und ‚Mein Tier und ich‘ rum und die kann ich einfach nicht lesen.
Ich verwendete also meine gesammelte Energie darauf, mit niemandem Augenkontakt aufzunehmen und es gelang mir auch. Dabei landete mein Blick auf dem mir gegenüberliegenden (nicht besetzten) Stuhl und ich sah sie. Die Cosmopolitan. Kleine Wunder gibt’s eben überall!
In der festen Überzeugung, dass ich mich nun mit Styling Tipps und Ratschlägen zum Aufpeppen meines Liebeslebens berieseln lassen könnte, war ich total überrascht, als die Seite 43 der Septemberausgabe 2011 auffiel, weil die vorherige Leserin dieser Zeitschrift sich dort offenbar ein Eselsohr hinein geknickt hatte.
„Die Heldinnen von 9/11“ hieß der Titel von einem Lars Jensen geschrieben. Ich dachte sofort an die Witwen der verstorbenen Feuerwehrmänner, die tapfer im Angesicht solch unvorstellbaren persönlichen Tragödien, ihre Leben meistern.
Aber weit gefehlt. Es ging eben um die Feuerwehrfrauen. Welche Feuerwehrfrauen denn bitte?
Ich habe damals, wie der Rest der Welt, der im Besitz eines Fernsehers war, in diesen schrecklichen Tagen am Bildschirm geklebt, und habe jeden Bericht gesehen, den ich konnte. Die Bilder der dreckverschmierten Feuerwehrmänner, die im Angesicht solchen Grauens und unter größter Bedrohung ihrer Gesundheit und ihres Lebens doch noch so vielen Menschen das Leben retteten, werde ich nie vergessen.
Aber Frauen im Einsatz? Ich wusste gar nicht, dass überhaupt Frauen im NYFD tätig waren. Abgesehen davon, dass ich mich ein wenig über mein paternalistisch angehauchtes Weltbild in dieser Sache wunderte, wurde mir beim Lesen des tollen Artikels klar, dass ich Bilder von heldenhaften Frauen auch gar nicht vermisst hatte. Schlimm genug.
Aber es gab sie und zwar nicht zu knapp. Sie wurden aber einfach von den Medien ignoriert. Wie Herr Jensen es sehr treffend formuliert, …“wandte sich die Mehrheit der Amerikaner [in diesen schrecklichen Tagen] einem überkommenen Konzept zu: der Mann als Beschützer im Stile John Waynes, die Frau als Herrin über den Haushalt wie einst Doris Day.“
Die heldenhaften Taten der weiblichen Firefighter, denn so heißt eigentlich diese Berufsgruppe, nicht Firemen, sind irgendwie nicht von den Medien aufgegriffen worden.
Ein Beispiel ist die heute 60jährige Brenda Berkam, „…Captain einer Feuerwehrstation, die beim Angriff auf das World Trade Center acht Mitarbeiter verlor…“ und heute wie viele andere Firefighter auch, männlich und weiblich, an sog. „Ground-Zero-Husten“ und sonstigen schmerzlichen, teilweise unheilbaren Spätfolgen leidet.
Die weiblichen Firefighter aber, die damals im Einsatz waren, sind einfach „…in der Unsichtbarkeit abgetaucht.“
Unglaublich aber wahr. Ich konnte nach dem Lesen nur noch sehr bewegt den Kopf schütteln. Und die andere Leserin des Artikels, die dann mit ihrem Hund aus dem Behandlungszimmer kam und sah was ich gelesen hatte, stimmte mir mit einem nachdenklichen Nicken zu.
Leider habe ich den Artikel online nicht finden können – aber jede, die irgendwie an die September Ausgabe der Cosmo kommt, sollte ihn wirklich lesen. Mehr zu Frau Berkam hier – The Invisible Firefighters of Ground Zero




