Als Jugendliche war ich fest davon überzeugt: Ich werde die Welt verändern! Ich wollte etwas gegen Ungerechtigkeit und Krieg und Hungersnöte, Überflutungen tun. Ein paar Jahre später und nun als Mutter, bin ich zwar nicht disillusionert, doch etwas weiser und habe gelernt, dass das gar nicht so einfach ist. Ich lebe heute ein ziemlich normales Leben. Ich bin glücklich verheiratet, habe ein Kind, einen guten Job und versuche im Großen und Ganzen ein guter Mensch zu sein. Aber groß die Welt verändern? Das habe ich noch nicht geschafft.
Bis gestern morgen habe ich auch gedacht, dass das gar nicht geht, wenn man nicht gerade bei der UNO oder der Welthungershilfe oder beim Technischen Hilfswerk arbeitet und Katastrophenopfern hilft!
Denn gestern morgen mußte ich in ganz früh nüchtern zum Arzt. Ich hatte meinen vierjährigen Sohn dabei und wir haben es uns nach dem Arztbesuch bei Starbucks in der Stadt gemütlich gemacht. Wir haben uns einen Cookie geteilt, er hat ein bisschen Milchschaum geschlürft und ich meinen köstlichen Latte genossen. Ich beobachtete eine andere Mutter mit ihrem Kind, die sich zwei Kaffees kaufte und dann dem Obdachlosen Bettler vor dem Eingang den einen brachte. Mittlerweile hatte sich ihr kleiner Sohn zu mir und meinem gesetzt und so haben wir dann zu viert ein lustiges Schwätzchen gehalten.
Als wir 30 Minuten später Starbucks wieder verließen, kam der obdachlose Mann auf die Frau zugestürzt und hat ihr mit Tränen in den Augen gedankt und gesagt, sie hätte gerade sein Leben verändert!
Wegen des Kaffees?, fragte diese verwundert. Nein, sagte der Mann. Aber weil er eben den teueren Becher Kaffee in der Hand hatte, hätte er einen Moment lang eben nicht wie ein Bettler ausgesehen. Dann sei soeben ein Bauarbeiter von der Baustelle die Straße runter vorbeigekommen und hätte ihn gefragt ob er für diese Woche noch einen Job suche. Sie bräuchten noch einen, der in einer Altbauwohnung den Putz abkratzt!
Das sei der erste Job, den er in drei Jahren angeboten bekommen hätte. Und die Dankbarkeit, für die Würde, die dieser Kaffee ihm geschenkt hatte, war ganz offensichtlich in seinen Augen zu lesen.
Manuela





Sei Dir sicher, dass Du die Welt verändert, zumindest aber beeinflusst hast. Das, was Du als Ziele hattest, war Dir irgendwann nicht mehr wichtig, denn sonst hättest Du es auch gemacht. Dafür kamen andere Dinge in den Fokus. Freue Dich darüber, dass Du dort bist wo Du nun bist!
LG,
Steppenwolf