Ein Darlehensvertrag kann schon verwirren
Nun haben wir also ein Haus gekauft. Unsere Bankauszüge können wir gerade noch so verstehen, aber ein Darlehensvertrag? Effektivzins? Sondertilgung? Bereitstellungsfreie Zeit? Da wir uns in das Haus verliebt haben, wie eine 13jährige in Justin Bieber haben wir bei der Bank einfach immer nur freundlich genickt und unterschrieben. Man kann ja im Moment kaum Fehler machen, wenn man ein Haus kauft, oder? Sogar Bundespräsident Wulff schafft das und der wohnt ja immerhin in einem Schloss. Einen Handschlag wollte unsere Bank leider aber nicht als Sicherheit akzeptieren und wir Normalbürger mussten natürlich Sicherheiten vorweisen. Meine aussichtsreiche und gesellschaftlich hoch anerkannte Stellung als Bloggerin hat da nicht ausgereicht. Ehrliches Geld muss her. Plötzlich aber fehlen uns einige tausend Euro. Wo sind sie? Ich habe immer eifrig alle Zahlen in den schicken Taschenrechner eingetippt, aber die Tausis sind weg.
Sprechen Sie „notarisch“?
Beim Notar hatte ich dann aber wieder Oberwasser. Schliesslich habe ich mal Germanistik studiert und bin doch ganz sprachbegabt. Ich werde alles durchschauen, Juristendeutsch, here I come! Unser freundlicher Notar las uns die zehn Seiten Kaufvertrag vor, nicht ohne uns vorher zu erzählen, dass er bei seinem ersten Hauskauf rein gar nichts verstanden hatte. Das ist doch beruhigend. Ein Notar, der nicht “notarisch” versteht. Ich verstand aber bereits bei den geläufigsten Formulierungen nur noch “Grossburgwedel”. Die “Auflassungsvormerkung” zum Beispiel. Was wird hier aufgelassen und warum soll das vorgemerkt werden? Meine Mutter hat mir immer beigebracht, die Türen ordentlich zu verriegeln. Oder “die Grundschuld bestellen”. “Ok ich hätte gerne eine grosse Cola-Light, Pommes rot-weiss und die Grundschuld ohne Sosse, bitte.”
“Der Notar wird von den Parteien angewiesen, die Löschungsunterlagen für Post III/I und 1a einzuholen und den Valutastand festzustellen”
Hääääääää? Müssen wir jetzt kräftig Hände schütteln oder heisst das vielleicht: “Morgen ist Dienstag”?
Gestern habe ich die BW-Bank angerufen, um noch an ein paar tausend Euro zu kommen. Der Vorstandsvorsitzende war leider gerade verhindert. Also habe ich auf die Mailbox „gewulfft“:“Ey, Ihr Schwaben, habt ihr mal paar Tausis für mich?“
Antwort: „Piiiiieeeep“.
Jetzt gibt es nur noch einen Ausweg, ich muss kreative Wege der Baufinanzierung beschreiten, ganz wie unser Staatsoberhaupt.
„Ey, Ihr Leser, habt Ihr mal nen Tausi für mich“?
Ich will nämlich wirklich nicht mehr Bloggerin in einem Land sein, wo man nicht mal mehr seine Leser um Kohle anhauen darf…
Verfasserin: Frau Mutter auf ihrem Blog www.frau-mutter.com Vielen lieben Dank !!!!




