Seit Wochen geht es durch die Presse: Dass wir Frauen uns mit weniger zufrieden geben, als wir müssten. Dass wir deswegen unterdurchschnittlich in Führungsetagen vertreten sind. Dass wir immer noch damit klarkommen, dass wir für die selbe Arbeit weniger verdienen oder zumindest noch kein 'Ruck durchs Land' gegangen ist im Angesicht dieser schreiend offensichtlichen Ungerechtigkeit, obwohl wir doch die Hälfte der Bevölkerung stellen!

Das stimmt ja auch alles und gibt viel Stoff zu Nachdenken, Diskutieren, Verändern, Bessermachen ... Vielleicht tut es gerade deshalb gut, wenn man von Firmen hört, die schon jetzt fortschrittlich handeln und alles anders machen. Wie die Schweizer Niederlassung der Reederein MSC, der zweitgrößten Reederei der Welt. (gesehen in "Ladys als Erfolgsrezept" im ZDF MonaLisa-Magazin)

"Vor 13 Jahren merkte der Geschäftsführer Mägli, dass Frauen einen besseren Job machten als ihre männlichen Kollegen, in der Hierarchie aber nicht höher rückten. "Weil ihnen männliche Ellenbogen im Wege standen", meint Mägli. Also begann er, Controllerinnen, Direktorinnen, Finanzvorstände einzustellen. "Wir bekommen auch Bewerbungen von Männern, aber das ist relativ selten. Man kennt unser Unternehmen hier in der Gegend. Der Teamgeist ist sehr wichtig und ich muss schauen, ob jemand ins Team passt. Und das war in letzter Zeit eine Frau", sagt er.

Eine Frau und noch eine und noch eine - auf einmal gab es in dem Unternehmen in Basel keinen Mann mehr, bis auf den Chef. "Der große Vorteil ist, dass Frauen grundsätzlich der Sache dienen wollen. Das heißt, wir haben eine bestimmte Arbeit zu erledigen und es ist eigentlich nicht das Thema, wer was macht, sondern die Arbeit wird erledigt, egal, wer sie macht", sagt Anita Vogt, Leiterin des Bereichs Export. Kollegin Daniela-Nicole Bogosavljevic meint: "Frauen haben eine anderen Logik, wenn es um Probleme geht. Und es geht viel schneller, Probleme zu lösen, würde ich sagen."

Keine Sekretärin, kein eigenes Büro: René Mägli ist ein Chef, der immer ansprechbar ist, wenn es Probleme gibt. Beruf und Familie sind für MSC-Mitarbeiterinnen vereinbar. Sie entscheiden selbst, wie viele Stunden sie arbeiten wollen. Männer wollen eher Macht und Kontrolle, meint Mägli. Frauen wollten die gestellte Aufgabe lösen. Studien bescheinigen nicht nur die bessere Kommunikationsstärke seiner Frauentruppe, der Erfolg seiner Firma gibt ihm auch Recht. "Die Gewerkschaft hat hier eine Untersuchung durchgeführt. Es werden ja sehr viele Frauen schlechter bezahlt als Männer. Diese Studie hat bestätigt, dass wir hier Männerlöhne bezahlen", berichtet Mägli.

Seine Personalpolitik gilt bei vielen als eigenwillig, doch sie weckt auch Neugier. Klagt nicht die Wirtschaft über weiblichen Führungskräftemangel? Wieso bleiben Frauen in seiner Firma und machen dort gern Karriere? Sein Führungsstil sei direkt und sensibel, meint Mägli. Und nicht nur in der Schifffahrtsbranche erscheint sein Posten manchem Mann verheißungsvoll, so allein unter Frauen! Mäglis Mitarbeiterinnen sehen das kritischer: "Ich finde, das ist eine sehr schwierige Position. Ein Mann und 80 Frauen! Er muss auch sehr viel Geduld haben", sagt Ivonne de la Rosa.

Millionen Tonnen Kakao, Kaffee, Baumwolle und Konsumgüter internationaler Konzerne werden dort vom Schreibtisch aus verschoben. Ein knallhartes Geschäft. Er sei kein Männerfeind und weder Pascha noch Schürzenjäger, meint Chef René Mägli. Er vertraue auf die besseren Mitarbeiter und in seiner Firma seien das Frauen. "Ladys" nennt er sie, ganz gentlemanlike. "Das ist eine Wertschätzung gegenüber den Frauen. Sie haben das auch übernommen und sagen einander: Hey Ladys!", sagt Mägli.

Ein Mann und seine Ladys. Die Firma wächst, der Chef sucht noch Personal. Und wieder wird er entscheiden müssen, wer am besten ins Team passt. Wer das sein wird, ist wahrscheinlich nicht schwer zu erraten."

 

 

 

 

 

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