Jeden Tag bekam mein Sohn im Kindergarten so richtig eins auf den Deckel - immer von ein und demselben Jungen.

Irgendwann wollte er dann überhaupt nicht mehr in den Kindergarten, er hatte nämlich richtig Angst. Allerdings konnte er das mir gegenüber damals mit seinen fünf Jahren nicht ausdrücken, und so habe ich erst viel zu spät davon erfahren. Eine andere Mutter hat mich darauf aufmerksam machen müssen.

Aber was hätte ich denn getan, wenn ich es vorher gewusst hätte? Was hätte ich denn tun können? Mit den Erziehern sprechen? Mit den Eltern des anderen Kindes?
Ich habe damals mit den Erzieherinnen gesprochen und die haben auch ganz toll reagiert und waren so sensibilisiert, dass sie im Kindergartenalltag eingreifen konnten.

Aber das alleine hilft ja noch nicht langfristig. Solche Schwierigkeiten können ja nicht immer die Erwachsenen für die Kinder lösen, denn solange das Kind Angst hat, wird es auch ein Opfer bleiben. Irgendwie musste mein Kind lernen, sich der Angst zu stellen.

Ich habe mir damals mit meinem Mann zusammen den Kopf darüber zerbrochen und schließlich hatte er den Vorschlag, das Kind in einen Selbstverteidigungskurs zu schicken. Ich war anfangs strikt dagegen, mit Kampfsport wollte ich nichts zu tun haben. Aber ich hatte irgendwie auch keine bessere Idee, also beschloss ich, das mal auszuprobieren.

Mittlerweile ist er seit 8 Jahren im aktiven TaeKwonDo Training.

Ein Jahr nach dem ‚Kindergartenmobbing‘ war er dann in der Grundschule und hier bot mein Kind auf einmal überhaupt keine Angriffsfläche mehr. Er hatte einen stabilen Stand in seiner Klasse und konnte sich auch gegen potentielle Mobber behaupten.

Warum war er eine Zeitlang ein Opfer und später dann überhaupt nicht mehr? War es wirklich das Training? Ich konnte mir das anfangs gar nicht vorstellen, da die Kinder in dieser Kampfsportart, lediglich lernen, sich zu verteidigen und eigentlich von ihren Fähigkeiten außerhalb des Trainings gar keinen Gebrauch machen und das auch nicht dürfen.

War es allein das Selbstbewusstsein, das er ausstrahlte, als er nach und nach merkte, dass er sich durchaus würde verteidigen können?

Was macht ein Kind so schwach, dass andere auf ihm rumhacken, ihn fertig machen, ihn gar mobben? Ist es ein sog. ‚Opferverhalten‘?

Und wenn ja, was können wir als Eltern dagegen tun? Ich denke nicht, dass ein Selbstverteidigungskurs für jedes Kind die richtige Lösung ist. Und vielleicht war das bei uns auch ein Zufall. Aber irgendetwas hat ihn in den zwei Jahren auf jeden Fall stark gemacht und auf einmal war er keine Zielscheibe mehr. Obwohl es natürlich auch in der Schule, und auch in seiner Klasse, potenzielle Mobber gab.

Er war selbstbewusst geworden.

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