Ist die Patchworkfamilie ein gutes Familienkonzept?
Wir leben das Konzept Patchworkfamilie. Ich habe drei Kinder aus meiner ersten Ehe mitgebracht und mein Lebensgefährte hat selbst drei Kinder, die allerdings bei seiner Ex-Frau leben.
Also grundsätzlich sind wir zu fünft. Alle zwei Wochen sind seine Kinder über das Wochenende bei uns und dann sind wir zu acht.
Turbulente, fröhliche Großfamilie? Meistens ist das so. Aber manchmal fehlt der Zusatz fröhlich und es ist einfach nur turbulent.
Ist die Patchworkfamilie ein gutes Familienkonzept? Ich denke schon, aber da steckt eine ganze Menge Arbeit dahinter.
Denn was nach außen nach den Waltons aussieht, ist es bei näherer Betrachtung dann doch nicht. Denn zu den Waltons besteht ein ganz gravierender Unterschied: Mutter und Vater Walton haben
gemeinsam einen Haufen Kinder.
Und das ist bei einer Patchworkfamilie nicht der Fall. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich alle super verstehen. Dass die Kinder den Lebenspartner als so eine Art Elternersatz ansehen. Dass sie ihn so respektieren wie die leibliche Mutter oder den leiblichen Vater.
Und es ist auch nicht selbstverständlich, dass der Lebenspartner die Kinder des anderen liebt. Auch wenn das absolut wünschenswert wäre. Aber erzwingbar ist es nicht. Es sind nun mal nicht die leiblichen Kinder. Wir können uns glücklich schätzen, wenn wir von uns behaupten können, wir haben die Kinder des anderen sehr lieb.
Das ist etwas was ich persönlich erst lernen musste. Ich bin der Typ Mensch, der immer glaubt : Das wird schon. Und ich musste erkennen, dass das in diesem Punkt einfach nicht so leicht ist.
Meine Beziehung zu den Kindern meines Partners ist gut, aber eine super enge Bindung habe ich nicht zu ihnen. Das liegt natürlich daran, dass sie nicht richtig bei uns wohnen. Für eine super enge Bindung sehe ich sie zu selten. Außerdem haben sie diese ganz enge Bindung natürlich zu ihrer Mutter und das ist auch gut so. Und ihrer Mutter wäre es auch nicht recht, wenn sie sich zu sehr an mich binden würden. Was ich auch verstehen kann.
Mein Lebenspartner hingegen lebt mit meinen Kindern unter einem Dach. Er hat eine sehr enge Bindung zu ihnen, aber dass er ein wirklicher Vaterersatz ist, das stimmt auch nicht. Das würden meine Kinder auch gar nicht zulassen. Sie lieben ihren Vater, und an den kommt keiner ran.
Das ist völlig in Ordnung und auch richtig so. Und dennoch macht es das Zusammenleben oft schwer. Mein Lebenspartner und ich streiten uns häufig über Kindererziehung. Gut, dass tut man unter leiblichen Eltern auch. Aber bei uns gibt es einen Unterschied: Es gibt den Vergleich zwischen seinen und meinen Kindern. Seine sind viel braver, viel ruhiger, besser erzogen. Meine sind laut, frech, unerzogen.
OK, das ist jetzt etwas überzogen, aber in die Richtung geht es, wenn wir uns um meine und seine Kinder streiten.
Seine Kinder sind viel zu selten da, um laut, frech und unerzogen zu sein. Und wenn sie es mal sind, dann sind eigentlich meine dran schuld.
Meine Kinder sind hier zuhause und so bekommen wir auch gute und schlechte Laune zu spüren. Gute und schlechte Tage. Schlechte Noten, Ärger mit den Freunden, halt den Alltag. Und nicht nur die Wochenendstimmung.
Das hört sich alles ziemlich negativ an? Manchmal denke ich, dass unser Konzept Patchwork nicht funktioniert.
Aber dann haben wir wieder ganz wunderbare Momente. Momente, in denen wir zu acht am Tisch sitzen und herzlich lachen. Momente, in denen wir merken, dass die Kinder untereinander eine wirklich enge Bindung aufgebaut haben. Aber auch die Momente, in denen ich merke, dass mein Lebenspartner und meine Kinder mittlerweile ein gutes Team geworden sind. Wenn ich merke, dass er meine Kinder sehr lieb hat.